Das Geheimnis der Divergenzen und wie Sie davon profitieren [mit Beispielen]

Das Geheimnis der Divergenzen und wie Sie davon profitieren [mit Beispielen]

Stephan Ochmann     29. Mai 2019     0


Wann beginnt ein Trend und wann kommt der richtige Zeitpunkt zum Einstieg? Diese Frage stellt man sich als Trader immer wieder.

Manche verlassen sich auf ihr Gespür, andere nutzen das Geheimnis der Divergenzen. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihren Trading-Erfolg mit Hilfe von Divergenzen steigern können.

Was sind Divergenzen?

Einfach gesagt: Divergenzen sind Abweichungen zwischen der Entwicklung eines Aktienkurses und seinem Indikator. Fällt zum Beispiel der Aktienkurs auf ein neues Tief, während der Indikator jedoch kein neues Tief anzeigt, spricht man von einer Abweichung oder Divergenz.

Bei einem oberflächlichen Blick auf den Chart übersieht man diese versteckten Hinweise schnell. Anhand bestimmter Indikatoren lassen sich Divergenzen jedoch erkennen. Es ist wie ein Blick in die Glaskugel, eine Vorahnung, dass etwas mit dem Chart nicht stimmt.

Wie sehen Divergenzen aus?

Nehmen wir ein Beispiel: Die Bank of America befindet sich seit Mitte August 2018 im freien Fall. Der Kurs fällt von $31 auf $23. Der Chartverlauf verheißt nichts Gutes: Die Aktie scheint weiter zu fallen. Aber nur auf den ersten Blick!

Divergenzen BankOfAmerica


Denn nehmen wir einen Indikator zu Hilfe, zum Beispiel das MACD-Histogramm, erkennen wir, dass der Aktienkurs ein neues Tief erreicht, während der Indikator aber kein neues Tief anzeigt. Das sollte Sie stutzig machen: Es könnte ein Zeichen sein, dass etwas nicht stimmt.

Divergenzen BankOfAmerica2


Der Indikator eilt dem Kurs voraus. Der Abwärtstrend ist beendet und der Kurs klettert von $23 auf $29. Eine typische Trendwende.

Divergenzen BankOfAmerica3


Wie findet man Divergenzen?

Zum Finden von Divergenzen eignen sich besonders gut Oszillatoren. Diese schwanken meist um eine Mittellinie mit begrenztem Spielraum nach oben und unten. Interessant wird es für uns, wenn die Oszillatoren in ihre Extremzonen ausschlagen. Beim RSI sind dies zum Beispiel die Zonen über 70 und unter 30.

Die oben genannten Beispiele zeigen den MACD. Dieser wird sehr häufig verwendet, da die Divergenzen sowohl in den Signallinien als auch im Histogramm auftauchen.

Mögliche Oszillatoren:

  • Relative Strength Index (RSI)
  • Moving Average Convergence Divergence (MACD)
  • Money Flow Index (MFI)
  • Commodity Channel Index (CCI)
  • Stochastic
  • Stochastic Momentum Index
  • Momentum
  • Know Sure Thing (KST)
  • Overbought/Oversold Indikator (OB/OS)

Diese Liste ist noch lange nicht vollständig. Sie können auch andere Oszillatoren verwenden. Hat man einmal verstanden, wie Divergenzen funktionieren, erkennt man sie auf einen Blick.

Wie erleichtert man sich die Suche?

Die Suche nach Divergenzen lässt sich schwer automatisieren. Besser ist es, die Charts manuell zu prüfen. Natürlich ist es mühsam, hunderte von Charts durchzusehen. Darum empfehlen wir Ihnen, die Aktien nach den beschriebenen Kriterien vorzufiltern.

Stellen Sie sich die Frage: Wo tauchen Divergenzen typischerweise auf? Die Antwort kennen Sie bereits: in den Extremzonen von Oszillatoren, zum Beispiel beim RSI über 70 oder unter 30. Diese Werte lassen sich problemlos ausfindig machen. So reduzieren Sie schon im Vorfeld die Anzahl der in Frage kommenden Aktien.

Sie haben Divergenzen ausfindig gemacht? Wunderbar. Als nächstes wenden wir uns der Frage zu, zu welchen Zeitpunkten Sie am besten ein- und aussteigen.

Wie findet man gute Ein- und Ausstiege?

Unser wichtigster Tipp: Versuchen Sie nicht schlauer zu sein als der Aktienmarkt. Warten Sie ab, bis der Kurs deutliche Anzeichen für eine Trendwende liefert. Erst dann werden Sie aktiv und steigen in den Markt ein!

Regeln für den Kauf

  1. Finden Sie ein Wertpapier mit positiver Divergenz.
  2. Warten Sie ab, bis der Kurs dreht und den höchsten Kurs des Vortages übersteigt. Steigen Sie am Hochkurs des Vortages ein.
  3. Setzen Sie den Stoppkurs unter das Tief der letzten Tage.


Regeln für den Verkauf (Short-Einstieg)

  1. Finden Sie ein Wertpapier mit negativer Divergenz.
  2. Warten Sie ab, bis der Kurs fällt und den tiefsten Kurs des Vortages unterschreitet. Steigen Sie am Tiefkurs des Vortages ein.
  3. Setzen Sie den Stoppkurs über das Hoch der letzten Tage.


Beispiel: Beiersdorf

  1. Die Kurse von Beiersdorf fallen Anfang März 2018 in ein neues Tief. Das MACD-Histogramm zeigt kein neues Tief an.
  2. Am 05. März 2018 übersteigt der Kurs den Höchstkurs des Vortages. Das heißt, der Einstieg liegt bei 87,18 €.
  3. Den Stoppkurs fixieren wir bei ca. 84 €. Dieser Wert sollte nicht unterschritten werden.
Divergenzen Beiersdorf1


Die Beiersdorf-Aktien steigen in den nächsten Wochen und Monaten auf 100 €.

Divergenzen Beiersdorf2


Beispiel: Nemetschek (Short-Einstieg)

  1. Nemetschek erreicht Mitte September 2018 einen Höchstkurs. Die Slow Stochastik hingegen zeigt kein neues Hoch an.
  2. Am 19. September 2018 fallen die Kurse unter das Vortagestief von 147,60 €. Unser Signal für einen Short-Einstieg.
  3. Das Limit für den Ausstieg fixieren wir bei ca. 156 €, dem höchsten Wert der letzten Tage.
Divergenzen Nemetschek1


Der Aktienkurs von Nemetschek fällt in den nächsten Tagen auf 111 €.

Divergenzen Nemetschek2


Wenden Sie dieses System mit Vorsicht an: Denn hundertprozentig kann man sich auf Divergenzen nicht verlassen. Häufig liefern sie auch Fehlsignale.

Nun wissen Sie, was man unter Divergenzen versteht, welche Indikatoren geeignet sind und wie man gute Ein- und Ausstiege findet.

Wie nutzen Sie Divergenzen für Ihr Trading?

1. Divergenzen als Hauptstrategie

Einige Trader spezialisieren sich erfolgreich auf diese Methode. Sie picken sich Divergenzen aus verschiedenen Märkten, Zeiträumen und Indikatoren heraus und fügen diese Stück für Stück zusammen, wie ein Puzzle.

2. Divergenzen als Hilfsstrategie

Andere Trader nutzen Divergenzen nur zur Unterstützung der eigenen Strategie und als Warnsignal, um zu erkennen, wann sie besser nicht ein- und wann sie besser aussteigen sollten.

Meine persönlichen Ratschläge zu Divergenzen

  • Machen Sie sich bewusst, dass Sie mit dieser Strategie gegen einen gut laufenden Trend antreten. Verlassen Sie sich daher niemals ausschließlich auf Divergenzen. Nutzen Sie zusätzlich andere Chartanalysen, technische Indikatoren und Fundamentalanalysen.
  • Ein gut funktionierendes Moneymanagement ist extrem wichtig. Nur damit können Sie Fehlsignale ausgleichen.
  • Behalten Sie den Gesamtmarkt im Auge: Je mehr Aktien von einer möglichen Trendwende betroffen sind, desto besser. Falls Ihnen jedoch abweichendes Verhalten nur bei einer einzigen Aktie unter vielen auffällt, dann lassen Sie lieber Vorsicht walten.
  • Divergenzen tauchen bei allen Arten von Wertpapieren auf: bei Rohstoffen, Devisen, Aktien, Futures und vielen anderen. Und jeder Markt hat seine Eigenheiten.
  • Entdecken lassen sich Divergenzen innerhalb kurzer und langer Zeitspannen, von Minuten bis zu Monaten. Natürlich: Je kürzer die Zeiteinheit, desto kleiner die Trendwende und umso niedriger die Gewinnspanne.
  • Merken Sie sich als Faustregel: Am besten funktionieren Divergenzen bei Werten, die vor Kurzem stark gefallen oder extrem gestiegen sind.
  • Bevor Sie mit echtem Geld handeln, sollten Sie testen, testen und nochmals testen. Probieren sie verschiedene Indikatoren und Zeitintervalle aus.
  • Ziehen Sie zum Üben Kursschwankungen aus der Vergangenheit heran und stellen Sie Ihr Gespür für den Markt auf die Probe: Wann wären sie eingestiegen, wo wären Sie ausgestiegen? Hätten Sie Verlust gemacht oder Gewinn eingefahren?

Fazit

Divergenzen sind ein mächtiges Werkzeug für erfolgreiches Trading. Kombinieren Sie diese Strategie jedoch grundsätzlich mit anderen Hilfsmitteln. Beobachten Sie stets den Gesamtmarkt. Steht dieser vor einer Trendwende, dann haben Sie gute Chancen, von der Trendumkehr unmittelbar zu profitieren.

Und falls Sie Divergenzen wirklich als Hauptstrategie verwenden wollen, variieren Sie unbedingt die Länge der Zeiträume.

Okay – Schluss mit der grauen Theorie. Finden Sie heraus, ob Divergenzen zu Ihrem persönlichen Trading-Stil passen.

Viel Spaß und viel Erfolg mit Divergenzen.
Stephan Ochmann

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