Handeln nach Feierabend? Über den Trend als Freund und profitable Setups

Handeln nach Feierabend? Über den Trend als Freund und profitable Setups

Oliver Wissmann     21. November 2017     0


Handeln nach Feierabend - Neben dem Vollzeitberuf zu handeln erfordert eine gesonderte Herangehensweise an die Märkte. Wo der Tagestrader oft reaktiv handelt, muss der Feierabendtrader aktiv in die Vorbereitung gehen.

Wie findet man profitable Setups, die auch auf Tagesschlusskursbasis (End-of-Day, EoD) umsetzbar sind und was ist zu beachten?

Wer nicht den ganzen Tag die Kurse verfolgen kann oder möchte und dennoch an den Handelsmärkten agieren möchte, sollte sich dementsprechend vorbereiten und seine Tradinggewohnheiten den Gegebenheiten entsprechend anpassen.

Klare Strategie statt blinde Emotionen

Egal ob ganztägiger Trader oder Feierabendhändler gilt: Legen Sie den Betrag, den Sie bereit sind zu riskieren bereits im Vorfeld fest. So verhindern Sie emotionales Reagieren und unüberlegtes Handeln. Gleiches gilt für die Frage, wann und unter welchen Bedingungen Sie ein Handelsgeschäft eingehen möchten.

Diese Grundüberlegungen sollten im Vorfeld getroffen sein, so dass Sie sich nicht von Emotionen oder Marktschreiereien leiten lassen, sondern einen klaren Handelsstil verfolgen und ihm treu bleiben.

Viele Finanzmarktteilnehmer wechseln häufig die Taktik, statt einer durchgängig und eindeutig definierten Handelsregeln zu folgen.

Nicht nur, aber auch, wenn nur ein begrenzter Zeitrahmen für Marktaktivitäten zur Verfügung steht, ist es wichtig, klar und kontrolliert zu handeln.

Statt immer neue Setups zu suchen, ist es sinnvoller bei Erscheinen ein und derselben Handelssignale immer wieder aktiv zu werden und die dargebotenen Setups zu handeln.

Dies führt zu einem beständigen und erfolgreichen Trading, was langfristig zur einer positiven Rendite führt.

Eine solche klare Strategie zu verfolgen und immer im Hinterkopf zu haben, hilft jedem Händler den Weg vom planlosem „Zocken“ und impulsivem Reagieren auf die Märkte zu verlassen und hin zu einem sinnvollen Investieren einschließlich eines überlegte Risiko- und Moneymanagements zu gelangen.

Nicht die vor dem Bildschirm verbrachte Zeit macht den erfolgreichen Händler aus, (vielmehr verleitet sie oftmals zu impulsivem Handeln), sondern die klare, stringente Herangehensweise und das Festhalten an bewährten Strategien.

Der Trend als Freund

Grundlage für eine solche Strategie und entsprechende Setups bildet gemäß John Murphy in seinem Buch „Technische Analyse der Finanzmärkte“ die Tatsache, dass „die Technische Analyse Marktbewegungen studiert, in erster Linie durch den Einsatz von Charts, um zukünftige Kurstrends vorherzusagen.“

Damit zukünftige Kurstrends vorhergesagt werden können, müssen allerdings drei Prämissen akzeptiert werden:

1. „dass sich Kurse in Trends bewegen“

2. „dass sich ein Trend mit höherer Wahrscheinlichkeit fortsetzt, als dass er sich umkehrt“ und

3. dass „ein Trend ist so lange intakt, bis dieser gebrochen ist“.

Wichtig ist es hierbei zu erwähnen und mit einem bekannten Missverständnis aufzuräumen: Nach Murphy und Schwager liegt ein Trend bereits vor, wenn ein relatives Hoch (RH) höher als das vorhergehende Hoch und ein relatives Tief (RT) höher als das vorhergehende Tief ist.

Zum Vorliegen eines Trends bedarf es kein mehrmaliges Durchlaufen dieses Zykluses. In anderen Worten: Zwei relative Tiefs und zwei relative Hochs reichen aus um einen jungen Trend zu etablieren (vgl. schematische Darstellung Abbildung 1)

Dies gilt solange, bis ein weiterer Tradergrundsatz greift:

„Der Trend ist Dein Freund, außer am Schluss, wenn er dreht.“

Wer dies beherzigt und bestehende Kurstrends identifizieren und anstehende Trendwechsel frühzeitig erkennen kann und den oben genannten selbstauferlegten Regeln diszipliniert folgt, kann auch in den wenigen verbleibenden Stunden nach Feierabend sich unter den erfolgreichen Finanzmarktteilnehmern einreihen.

Erfolgreiches Setup

Um diesen Ansatz zu verdeutlichen, wird das Setup zunächst theoretisch betrachtet.

Vorab jedoch der Hinweis, dass nachfolgend aus Vereinfachungsgründen lediglich der Long-Ansatz schematisch beschrieben wird. Selbstverständlich gilt das Regelwerk umgekehrt auch für Short Trades.

Abbildung 1 schematische Darstellung

Abbildung 1 – schematische Darstellung des Setups mit Nahaufnahme des dargestellten Einstiegs sowie des Anfangsstopps.

Quelle: eigene Darstellung Oliver Wißmann

Der 200er gleitende Durchschnitt und Aufwärtstrend

Wichtig ist, dass die Kurse im Allgemeinen über dem GD200 notieren, denn dies ist eine der Grundvoraussetzungen, wohingegen eine lediglich eintägige Verletzung des GD insbesondere nur auf Intraday-Basis völlig unschädlich ist und ignoriert werden darf.

Daneben sehen Sie einen Aufwärtstrend mit steigenden Hochs (RH1 und RH2) sowie steigenden Tiefs (RT1 und RT2). Dies ist die zweite Grundvoraussetzung.

Bei dieser Voraussetzung darf es kein Interpretationsspielraum geben. D.h. hier ist zu achten, dass wirklich ein Aufwärtstrend gegeben ist. Achten Sie bitte dabei auf die oben dargestellten Ausführungen zur Trenddefinition.

Sofern diese beiden Aspekte erfüllt sind (und zwar nur dann!), wird auf eine Korrektur gewartet, die mindestens 50 % der vorangegangenen Bewegung ausmacht (Strecke von RT2 zu RH2). Sobald eine 50%ige Korrektur erreicht wurde, wird eine Einstiegsorder knapp oberhalb der letzten negativen Kerze (zweite rote Kerze in Abbildung 1 im „gezoomten“ Rechteck) gelegt.

Diese Einstiegsorder verbleibt im Markt, so lange keine weitere rote Kerze tiefer schließt als die vorangegangen. Sollte eine rote Kerze tiefer schließen als die vorangegangene, nehmen Sie die Order raus und legen die Order wiederrum über diese neu ausgebildete rote Kerze.

Dies wiederholen Sie so lange, bis die rote Kerze den letzten RT2 erreicht.

Wird dieser Punkt per Tageschlusskurs unterschritten (eine Intraday-Verletzung ist tolerierbar), ist der Aufwärtstrend gebrochen, das Setup hinfällig und die Order ist aus dem Markt zu nehmen.

Sofern der Markt keine neuen roten Kerzen ausbildet, verbleibt ihre Order so lange im Markt, bis diese ausgeführt wird.

Prüfen in der Wartezeit

D.h. Sie müssen während der Wartezeit in der ihre Order im Markt liegt einmal täglich die aktuelle Lage prüfen. Dies kann in der Praxis auch gut über eine Alarmfunktion bewerkstelligt werden.

Sofern dann die Order ausgeführt wird, ist der Anfangsstopp knapp unterhalb des letzten RT2 (und damit letzten gültigen Tiefs im Aufwärtstrend) zu legen.

Sollte sich dann der Wert in die gewünschte Richtung entwickeln, wird der Stopp immer dann nachgezogen, wenn ein neues gültiges Tief ausgebildet wird. Dies ist dann erfüllt, wenn der Wert über dem letzten relativen Hochpunkt schließt (in Abbildung 1 ist dies dann zum ersten Mal der Fall, wenn der Wert über dem Punkt RH2 schließt).

Achten Sie bitte darauf, dass Sie „nicht zu kleinlich sind“ bei der Betrachtung, ob ein neues Hoch ausgebildet wurde.

Ein neues Hoch wird erst dann ausgebildet, wenn der aktuelle Kurs auch tatsächlich über dem RH2 schließt und dies für mindestens zwei volle Tage.

Praktisches und aktuelles Beispiel Long: Borussia Dortmund

Um die theoretischen Überlegungen anhand eines Praxisbeispiels zu verdeutlichen, finden Sie in Abbildung 2 die Aktie Borussia Dortmund dargestellt.

Borussia Dortmund Beispiel 121117

Abbildung 2 – konkretes Setup anhand der Aktie Borussia Dortmund

Quelle: Chartporgramm TAI-PAN und eigene Darstellung Oliver Wißmann

Sie sehen seit dem 05.12.2016 einen Aufwärtstrend (vgl. blaue Trendlinie) sowie einen steigenden GD200, über dem die Kurse notieren.

Nach einer 50%igen Korrektur am 01.11.2017 wurde zum ersten Mal alle Vorbedingungen erfüllt (Aufwärtstrend, GD200 steigend, 50 % Korrektur in der Bewegung). D.h. am 01.11.2017 konnte nun zum ersten Mal eine Einstiegs-Order knapp über der Kerze vom 01.11. gelegt werden.

Da die nächsten Kerzen nur fielen und nicht über dem Hoch der Kerze vom 01.11. schlossen, wurde die Einstiegs-Order ständig nachgezogen und liegt nunmehr am 10.11. knapp über der Kerze vom 09.11. (vgl. grüne gestrichelte waagerechte Linie).

Sofern nun in den nächsten Tagen der Kurs steigen sollte und die Einstiegs-Order bei 6,75 abholen würde, wäre dann das Setup vollständig erfüllt und damit wäre man dann Long. Der Stopp wäre dann knapp unterhalb des letzten RT2 bei 5,84 zu legen.

Sollte jedoch abermals die Aktie fallen und wiederrum eine neue negative Kerze ausbilden so wäre auch in diesem Praxisbeispiel die Einstiegs-Order so lange nachzuziehen, bis entweder die Order ausgeführt wird oder der RT2 auf Schlusskursbasis unterschritten wird.

Fazit

Dieses Setup zeigt, dass auch nach Feierabend ein erfolgreiches Handeln an der Börse möglich ist, da Sie die Strategie im Vorfeld festlegen und lediglich einmal täglich die Orderlage prüfen und gegebenenfalls anpassen müssen.

Sobald die Order ordnungsgemäß ausgeführt wurde, ist der zeitliche Einsatz nochmals geringer, da nur bei der Überschreitung von markanten Punkten, der Stopp nachgezogen werden müsste.

Darüber hinaus ist dieses Setup nur eine von vielen Möglichkeiten. Muster wie Engulfing Pattern, Einbeziehung kleinerer Trendgrößen, Volumenbetrachtung und dergleichen wären zu ergänzen.

Auch die Gelegenheit des Ausstiegs durch den Markt mittels Trailing-Stopp, ein vorzeitiger Exit bei Vorliegen von Gegensignalen, Unterschreiten des GD200 etc. kann mit einbezogen und somit die Basisstrategie weiter verfeinern.

Diese Strategie und auch das beste Handelssetup ist keine Garantie dafür „über Nacht reich zu werden“ und sie schließt auch keine Verluste aus. Bei konsequentem Verfolgen der Handelsregeln können aber die größeren Gewinner die vorangegangenen Verluste kompensieren.

Fehler, die durch emotionales Handeln entstehen, werden minimiert bis eliminiert und dadurch, dass Sie trendfolgend handeln und somit Gewinntrades so lange halten, bis der Markt Ihnen zeigt, wann es Zeit ist auszusteigen, vergrößern Sie Ihr Handelsspektrum bei reduziertem Zeiteinsatz.

So können Sie mit dem Trend als Freund und auch nach 18 Uhr sich zu den erfolgreichen Teilnehmern an den Finanzmärkten zählen.

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